20.10.2008 – 10:36 by Mathias Teber
Die Abgrenzung von vermeintlich guten und scheinbar schlechten Ideen sowie die Gestaltung von Innovationsprozessen sind mit unternehmerischen Entscheidungen verknüpft. Ideen- und Innovationsmanagement sind Teil des Risikomanagements.
Ein Entscheidungsprozess kann als Risikoprozess gesehen werden, wobei Risiken sowohl als Gefahren als auch als Chancen zu verstehen sind. Obgleich Risikomanagement eine zukunftsgerichtete Tätigkeit darstellt, sei mit den Worten eines römischen Dichters ein gedanklicher Ausflug in die Vergangenheit erlaubt:
„…, da begann der Knabe sich an dem kühnen Flug zu erfreuen und verliess den Führer und von der Sehnsucht nach dem Himmel verleitet, schlug er den höheren Weg ein. Die Nähe der verzehrenden Sonne erweichte das duftende Wachs, das Bindemittel der Federn; der Wachs schmolz: jener schwingt die nackten Arme und des Flügelwerks entbehrend fasst er nicht irgendwelche Lüfte,…”
Publius Ovidius Naso, Metamorphosen
Die bekannte Sage Ovids symbolisiert unter anderem den Umgang mit Risiken. Während Dädalus die Chancen erkennt und die Risiken kontrolliert, lässt sich Icarus auf den tödlich endenden Höhenflug ein.
Risiken manifestieren sich im heutigen Wirtschaftsumfeld nicht nur aufgrund von Leichtsinn, sondern auch wegen fehlender Einschätzung in Bezug auf komplexe Aufgaben und Innovationen. Aus diesem Grund kommt dem Risikomanagement eine strategische Bedeutung zu. Für alle Branchen gleichermassen bedeutungsvoll ist die Frage nach dem zu lösenden Kundenproblem. Weiter genügt eine Optimierung des Produktes oder der Dienstleistung nicht, um sich langfristig am Markt zu behaupten. Das Kundenproblem kann zwar stabil bleiben, doch die Kundenbedürfnisse ändern sich. Das Risikomanagement ist Teil der strategischen Unternehmensführung und Führung ist heute ebenso untrennbar mit Innovationsmanagement verbunden. Das Innovationspotential einer Branche und die Innovationskraft einzelner Unternehmen sind entscheidend für die Ausgestaltung und Ausprägung des Risikomanagements.
Die systematische Innovationsförderung bedingt eine hinreichende Risikobereitschaft. Letztere drückt sich in der Kapital- und Personalintensität aus, die erforderlich ist, um das Innovationspotential innerhalb der Branche auszuschöpfen und gegenüber Konkurrenten eine genügende Innovationskraft zu gewährleisten. Eine frühzeitige und fortlaufende Projektselektion sowie eine sachgerechte Ressourcenallokation sind deshalb unabdingbar. Gerade diese beiden Wertschöpfungsstufen müssen für ein erfolgreiches Wirtschaften im globalisierten Markt effektiv und effizient gestaltet sein. Auf der Seite der Personalintensität besteht gerade ein grosses Verbesserungspotential, welches dadurch abgeschöpft werden kann, indem Mitarbeiter und Kunden in die Innovationsprozesse, und damit in die Gestaltung der genannten Wertschöpfungsstufen, eingebunden werden. Damit ist ein gewisser Grad an Offenheit gegenüber neuen Ideen sehr wichtig. Obwohl Grossunternehmen in Bezug auf komplexe Probleme und zur Abschätzung von Risiken Experten beauftragen können und kleine oder mittelständische Betriebe dank überschaubarer Strukturen und aufgrund ihrer Kundennähe fähig, sich rasch den Änderungen am Markt anzupassen und die Risiken im Zusammenhang mit Innovationsbestrebungen zu adressieren, gilt unabhängig von der Grösse für alle Unternehmen, dass sie mithilfe von Inputs ihrer Mitarbeiter und Konsumenten profitieren können.
Zuletzt sei im Sinne von Ovid darauf hingewiesen, dass jedes Unternehmen über sein eigenes „Flügelwerk” verfügt. Mit Hilfe des Risikomanagements kann abgeschätzt werden, inwieweit das „Bindemittel der Federn” am Markt strapaziert werden darf und ob allenfalls mit Innovationsförderung die Qualität des verwendeten „Wachses” erhöht werden kann. Sofern es möglich ist, die Risiken gemessen am Innovationspotential der Branche rational abzuschätzen und auf lange Sicht zu kontrollieren, kann sogar ein „Höhenflug” gewagt werden. Dieser Höhenflug sollte jedoch nicht ohne Einbezug der Mitarbeiter und Kunden erfolgen, da diese einen unermesslichen Beitrag zur Innovationsförderung leisten können.
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