Vier Monate Unternehmertum

05.05.2008 – 18:32 by Valentin Binnendijk

Gut 120 Tage sind wir nun ein hippes Start Up in Zürich, wir nennen uns Kaffeejunkies, glauben ein Whiteboard passe doch viel besser als ein TV ins Wohnzimmer, wir sind unendlich kreativ und setzen fast die Hälfte unserer 100 täglichen Ideen um. Wir sind daran die Welt zu revolutionieren und wissen dass es nur eine Frage von Wochen bis zum sagenumwobenen Tipping-Point ist :-)

Ganz so romantisch verklärt geht es nicht zu, wenn drei HSGler beschliessen sich selbständig zu machen und man könnte es fast schon ein Clash of Cultures nennen, wenn ein ETHler, ein Jurist, ein Kreativkopf, ein Banker und eine Designerin sich täglich daran machen Raum für ihre Ideen zu schaffen. Da werden Finanzpläne erstellt, Designs entworfen, Algorithmen geschrieben, Innovationen gesucht und Verträge abgeschlossen. Das einzige was wirklich typisch Start-Up Feeling ist, ist die ewige Herausforderung.

Als doch eher risikoaverse Wesen, die ins kalte Wasser gesprungen sind, versuchen wir Risiken zu minimieren und ein einzigartiges Produkt zu entwickeln, das besser, effizienter und schöner ist als alles bisher Dagewesene. Doch täglich knallt man gegen die Mauer Jungunternehmertum. Grosse Träume lassen sich nur mit vielen kleinen Schritten erreichen.

Der Druck ist allgegenwärtig aber auch anspornend: Den Cash Burn unter Kontrolle halten, Investoren finden, das Produkt perfektionieren, Kunden gewinnen und den perfekten Traumkandidaten suchen. Den Schlaf raubt es mir (noch) nicht, aber ich werde gezwungenermassen resistenter gegenüber alltäglichen Erschütterungen und versuchen das Big Picture im Fokus zu halten, wie sagt man so schön: “Eyes on the Prize”!

Meine Lernkurve verläuft hier bei Cassiber sicher komplett anders als in einem typischen HSG-like-60-hours-consulting-job, darf ich doch vor allem das machen was mir Spass macht, habe Einfluss auf meinen Job, mein Umfeld und unsere Firma und zwar Big Time. Zusätzlich sind wir in einem Gebiet tätig, dass sich erst noch entwickelt, wofür es noch keine State-of-the-Art Lösungen gibt und deren Potential erst geschätzt wird, es ist hochspannend und wir sind mittendrin (nicht nur dabei :-)).

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